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Sixt SE

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Sixt SE

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Rechtsform Societas Europaea
Gründung 1912
Sitz Pullach im Isartal, Vorlage:DEU
Leitung * Alexander Sixt und Konstantin Sixt, Co-Vorsitzende des Vorstands (seit 16. Juni 2021)
Mitarbeiterzahl 6921 (2020)[1]
Umsatz 1,53 Mrd. Euro (2020)[2]
Branche Autovermietung
Website sixt.com

Stand: 2020-12-31

Die Sixt SE mit Sitz in Pullach im Isartal ist ein börsennotierter, familiengeführter Konzern, der in Autovermietung, Carsharing und Fahrdienstvermittlung tätig ist.

Die Sixt SE und die für die Autovermietung zuständige Sixt GmbH & Co. Autovermietung KG werden seit ihrer Gründung von der Familie Sixt geführt. Stand 2021 leitet Erich Sixt gemeinsam mit seinen Söhnen Alexander Sixt und Konstantin Sixt das Unternehmen. Die Sixt SE betrieb 2020 mehr als 2.000 Mietwagenstationen mit über 205.400 Fahrzeugen weltweit und hatte einen Umsatz von 1,53 Milliarden Euro.[3]

Union Busting

Bisher gibt es keinen einzigen Betriebsrat bei Sixt. Sixt bekämpft seit vielen Jahren mit harten Bandagen gegen jeden Versuch einen Betriebsrat zu gründen. Immer wieder werden Mitarbeiter*innen entlassen, die eine Betriebsratswahl vorbereiten.

arwe Service GmbH

Im April 2010 entließ die arwe Service GmbH, welche für Sixt Dienstleistungen übernahm, alle 28 Mitarbeiter*innen einen Tag nach einer erfolgreichen Betriebsratswahl. Wie der damalige Geschäftsführer David Gabrysch betonte, natürlich „aus wirtschaftlichen Gründen“.[4]

Betriebsratsbehinderung in Düsseldorf

Nachdem Ende August 2021 drei Mitarbeiterinnen ihre Kolleg*innen in Düsseldorf öffentlich zur Wahl eines Wahlvorstandes am 21. September 2021 eingeladen hatten, kündigte Sixt der Haupt-Initiatorin fristlos. Die anderen beiden Initiatorinnen stellte die Geschäftsführung frei und bot ihnen jeweils einen Aufhebungsvertrag mit einer Abfindungssumme von 10.000 € und Schweigeklausel an und das, obwohl beide noch keine drei Jahre im Unternehmen arbeiten. Die Arbeiterinnen lehnten die Aufhebungsverträge ab und erhielten danach ebenfalls eine Kündigung. Alle drei legten Kündigungsschutzklage ein.[5]

Eine für den 21. September 2021 geplante Wahlversammlung musste aufgrund von Verstößen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen abgebrochen werden. Wenige Tage später bekamen die Wahl-Initiatorinnen Post von Sixt mit der Aufforderung u.a. wegen Verdienstausfall und angefallener Raummiete für die nicht stattgefundene Wahlversammlung 1506 € Schadensersatz zu zahlen.[6]

Am 23. Dezember 2021 erhielten die Initiatorinnen erneut fristlose Kündigungen durch Sixt. Dieses Mal nutzte die Geschäftsführung für die Kündigungen den Vorwand das die Initiatorinnen den Betrieb gestört hätten, indem sie unerlaubt die Sozialräume aufgesucht hätten, um dort die Einladung zu einer neuen Wahlversammlung aufzuhängen. Dies sei nicht zulässig da sie laut dem Verständnis von Sixt nicht mehr bei dem Unternehmen beschäftigt seien.

Am 11. Januar fand erneut eine Versammlung zur Wahl des Wahlvorstandes statt. Der anwesende Betriebsleiters Jürgen Boveleth sorgte dafür, dass die große Mehrheit der 18 Wahlberechtigten gegen die Gründung eines Betriebsrates und die drei Kandidatinnen stimmte. Nach der Wahlversammlung soll sich der Betriebsleiter bei Beschäftigten dafür bedankt haben, dass sie ihr gemeinsames Ziel, die Wahl zu verhindern, erreicht hätten.

Am 21. Januar 2022 stellte die Gewerkschaft Verdi bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf Strafantrag wegen „Behinderung der Betriebsratswahl“ gegen Sixt.[7]

Das Arbeitsgericht Düsseldorf urteilte am 23.02.2022, dass die drei außerordentlichen Kündigungsversuche gegen eine der Düsseldorfer Initiatorinnen einer Betriebsratsgründung unwirksam sind (10 Ca 4119/21). [8]

Betriebsratsbehinderung in Frankfurt

Auch in Frankfurt bekamen die Initiator*innen einer Wahlversammlung im Sommer 2021 fristlose Kündigungen. Zwei von ihnen nach Bekanntgabe des Termins für die Wahlversammlung und der dritte Initiator bei Beginn der Versammlung vor den Augen aller Kolleg*innen. Im Februar 2022 bestätigte das Arbeitsgericht Frankfurt die Rechtmäßigkeit von zwei der Kündigungen.[9]

Während der Wahlversammlung versuchte der örtliche Betriebsleiter zunächst die Wahl des Wahlvorstandes per Handzeichen durchzusetzen. Als das nicht klappte, soll der Betriebsleiter laut in den Raum gerufen haben, bei Abgabe eines leeren Stimmzettels gäbe es keine Wahl und keinen Betriebsrat. Tatsächlich sollen danach fast alle anwesenden Kolleg*innen einen leeren Stimmzettel abgegeben haben.[10]

In Frankfurt scheiterte im Frühjahr 2022 der Antrag auf Bestellung eines Wahlvorstands am Arbeitsgericht.

Union Busting-Akteure

Arbeitsrechtlich wird Sixt von der Anwaltskanzlei Pusch Wahlig Workplace Law[11] vertreten und beraten.

Das Union Busting scheint zudem aus der Unternehmenszentrale in Pullach zentral gesteuert zu werden. Hier ist unter anderem Personalchefin Friederike Reichenberger damit betraut.

Paradise Papers

Im November 2017 wird Sixt in den Veröffentlichungen der Paradise Papers aufgelistet.[12]

Quellen

  1. Geschäftsbericht 2020 sixt.com, Abruf 12.07.2021
  2. Geschäftsbericht 2020 sixt.com, Abruf 12.07.2021
  3. Geschäftsbericht 2020 sixt.com, Abruf 12.07.2021
  4. Hickhack um Betriebsrat bei Sixt, taz.de, 22.06.2010
  5. Sixt in Düsseldorf kündigt weiteren Mitarbeiterinnen, rp-online.de, Alexander Esch, 11.11.2021
  6. Sixt: Bossing nach Lehrbuch, work-watch.de, 12.11.2021
  7. Kevin Hoffmann: Frontberichte 03/2022: Fracares, Sixt, Entsorgung Dortmund GmbH & Humbaur, {{{websiteTitle}}}, 2022-03-23, https://arbeitsunrecht.de/frontberichte-03-2022/
  8. NRW-Justiz: Arbeitsgericht Düsseldorf: Fristlose Kündigungen einer Sixt-Mitarbeiterin unwirksam, www.justiz.nrw, https://www.justiz.nrw/JM/Presse/presse_weitere/PresseLArbGs/24_02_2022_/index.php , abgerufen 2022-03-01.
  9. Kevin Hoffmann: Frontberichte 03/2022: Fracares, Sixt, Entsorgung Dortmund GmbH & Humbaur, {{{websiteTitle}}}, 2022-03-23, https://arbeitsunrecht.de/frontberichte-03-2022/
  10. Sixt: Bossing nach Lehrbuch, work-watch.de, 12.11.2021
  11. Anwaltskanzlei Pusch Wahlig Workplace Law
  12. Da sixt, was ois geht, Sueddeutsche.de