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Flink: Unterschied zwischen den Versionen

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| Name            = Flink SE
 
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| Unternehmensform = [[Europäische Gesellschaft|SE]]
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| Unternehmensform = Europäische Gesellschaft|SE
 
| Gründungsdatum  = 2020
 
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| Sitz            = [[Berlin]], {{Deutschland}}
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| Sitz            = Berlin
| Leitung          = Christoph Cordes ([[Vorstand]])
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| Leitung          = Christoph Cordes (Vorstand)
 
| Mitarbeiterzahl  = 12.000 (2021)
 
| Mitarbeiterzahl  = 12.000 (2021)
 
| Umsatz          = ca. 500 Mio. Euro (2021)
 
| Umsatz          = ca. 500 Mio. Euro (2021)
 
| Stand            =  
 
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| Branche          = Onlinedienste, [[Lieferdienst]]
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| Branche          = Onlinedienste, Lieferdienst
 
| Website          = [https://www.goflink.com/ www.goflink.com]
 
| Website          = [https://www.goflink.com/ www.goflink.com]
 
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'''Flink SE''' ist ein [[Deutschland|deutscher]] [[Lieferdienst|On-Demand-Lieferservice]], der Artikel des täglichen Gebrauchs direkt an Verbraucher liefert. Das Unternehmen ist der größte [[Drittanbieter]]-Lieferservice in Europa. Flink beliefert nach eigenen Angaben an über 140 Standorten in mehr als 60 Städten Europas bis zu 10 Millionen Kunden.<ref>{{Internetquelle| autor=Christoph Kluge| url=https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/berliner-lieferdienst-flink-bekommt-750-millionen-dollar-von-investoren-4296139.html| titel=Berliner Lieferdienst Flink bekommt 750 Millionen Dollar von Investoren| abruf=2023-01-03| sprache=de| datum=2021-12-10| werk=[[Tagesspiegel]]}}</ref><!-- Stand: 2021 -->
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'''Flink SE''' ist ein deutscher Lieferdienst, der Artikel des täglichen Gebrauchs direkt an Verbraucher liefert. Das Unternehmen ist der größte Drittanbieter-Lieferservice in Europa. Flink beliefert nach eigenen Angaben an über 140 Standorten in mehr als 60 Städten Europas bis zu 10 Millionen Kunden.<ref>[https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/berliner-lieferdienst-flink-bekommt-750-millionen-dollar-von-investoren-4296139.html ''Christoph Kluge, Berliner Lieferdienst Flink bekommt 750 Millionen Dollar von Investoren'']''Tagesspiegel'' 10.12.2021</ref>
 
 
==#Freitag13==
 
 
 
  
 
== Investoren / Besitzer ==
 
== Investoren / Besitzer ==
Lieferando gehört zum international tätigen Konzern '''Just Eat Takeaway''' um den Unternehmer [[Jitse Groen]] mit Sitz in Amsterdam und firmiert in Deutschland unter der '''yd. yourdelivery GmbH'''.
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Zu den Hauptaktionären der Flink SE zählen Frankreichs Einzelhandelsriese Carrefour, die Rewe-Gruppe und der US-Essenslieferdienst Doordash.<ref>[https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/lieferdienst-flink-sammelt-750-millionen-dollar-ein-doordash-steigt-ein/27881094.html ''Flink sammelt 750 Millionen Dollar ein – Doordash steigt ein'']''Handelsblatt''. 10. 12. 2021</ref>   
 
 
Größte Anteilseigner von Just Eat Takeaway sind [[Morgan Stanley]] (17,15%), [[Delivery Hero]] SE (10,68%), [[UBS]] Group AG (9,60%), [[Gribhold]] B.V. (7,24%) & [[BlackRock]] (6,26%).<ref>[https://www.justeattakeaway.com/investors/shareholder-information/ Shareholder information] Abgerufen am 22.06.2021</ref>
 
 
 
==Geschäftsmodell==
 
Die orange gekleideten Fahrer sind das Aushängeschild von Lieferando im Stadtbild. Diese Festangestellten sind zwar von zentraler Bedeutung für das Markenimage und die Bekanntheit; sie stellen faktisch aber nur eine ca. 10% umfassende Minderheit aller Fahrer dar, die schätzungsweise in Deutschland fahren. Das dürften über 100.000 sein (Stand Juni 2020). 
 
 
 
In der Hauptsache bietet Lieferando / Just Eat seine Online-Plattform als Vertriebsweg für Restaurants mit eigener Flotte an. Dieses Geschäft bringt den Profit, während der Unterhalt der eigenen Lieferando-Flotte vom Management als defizitär gesehen wird. Bei genauer Betrachtung ist die Flotte der festangestellten Lieferando-Fahrer Teil der Werbe- und Marketingstrategie. Allerdings kann kein Lieferdienst auf eine eigene Flotte mit sichtbarem Equipment verzichten, da er sonst -- ohne sichtbare Marke -- den Angriffen von Konkurrenten schutzlos ausgeliefert wäre. 
 
 
 
Das Geschäftsmodell besteht also weniger im Ausliefern von Essen, als im reibungslosen, simultanen Abwickeln von Bestellungen, Lieferungen und Geldströmen. Die "wertvollen" Arbeiter sind also in den Bereichen Programmierung tätig.
 
 
 
==Arbeitsbeziehungen + Union Busting==
 
Lieferando war bis zur Übernahme von Foodora im Winter 2018 in Deutschland betriebsratsfrei. Vom Unternehmensgründer Jitse Groen ist folgendes Zitat überliefert: ''"Betriebsräte gehören nicht zu unserer Firmenkultur."''<ref>Bericht des Lieferando-Riders und Gewerkschaftsorganizers Keno Böhme.</ref> Durch die Übernahme des einzigen und ersten Lieferdienstes, der in Deutschland und Österreich seit 2017 Betriebsräte hatte, bildeten und verbreiterten sich Betriebsräte langsam auch bei Lieferando.
 
 
 
Die Union Busting-Strategie des Managements ist zwar abwehrend und widerwillig, aber keineswegs frontal ausgerichtet (Stand: Juni 2021), sondern auf maximale Verzögerung neuer Betriebsratsgründungen, Einbindung und Steuerung existierender Gremien orientiert.
 
 
 
=== Zentrale Frage: Der Zuschnitt des Betriebs ===
 
Eine Besonderheit bei Lieferando ist der Versuch, unorganische, dysfunktionale Gebilde zu installieren -- etwa einen gemeinsamen Betriebsrat für Darmstadt und Frankfurt  -- oder ganze Regionen zu Betriebsratszonen zusammenzufassen. Damit sollen offenbar Betriebsräte als potentielle Keimzellen unabhängiger Organisierung sabotiert werden. Solche abstrakten Großgebilde wie die geplanten Regionenbetriebsräte haben die Tendenz, dass sie nah am Managment sind, weit weg von den einfachen Beschäftigten und dadurch gut steuerbar. 
 
 
 
===Betriebsratsbehinderung in Köln===
 
In Köln fand am Montag, 5. April 2020 eine Betriebsratswahl bei Lieferando statt. Der ehemalige Foodora-GBR-Vorsitzende Semih Y. und seine Liste konnten die Wahl knapp gewinnen. Der Erfolg ist um so höher zu bewerten, als die siegreichen Kandidaten, die der Gewerkschaft Nahrung Gaststätten Genuss ([[NGG]]) nahestanden, unter extrem erschwerten Bedingungen kämpfen mussten:
 
 
 
*Der Corona-Lockdown machte Betriebsversammlungen, Gewerkschaftstreffen und Wahlkampfveranstaltungen beinahe unmöglich.
 
*Das Lieferando-Management hat zunächst die Herausgabe einer Wählerliste verweigert.
 
*Das Management protegierte eine arbeitgebernahe Wahlliste mit dem Namen „Lieferando.de Register“.
 
* Die Kanzlei [[Kliemt]] griff parallel auf juristischer Ebene an um die Wahlen zu verhindern und zu verzögern.
 
<ref>Elmar Wigand, Umkämpfte Betriebsratswahl knapp gewonnen[https://arbeitsunrecht.de/lieferando-umkaempfte-betriebsratswahl-knapp-gewonnen/] arbeitsunrecht.de 9.4.2020</ref>
 
<ref>Andreas Wyputta: [https://taz.de/Lieferando-torpediert-Betriebsratswahl/!5676689/ Ausgelieferte Mitarbeiter], taz, 17.4.2020.</ref>
 
 
 
=== Betriebsrat in Münster===
 
In Münster zog sich die Auseinandersetzung um eine Betriebsratswahl seit 2017 hin und war im Juni 2021 noch nicht erledigt. Neben der Übernahme von Foodora durch Lieferando spielt hier der Begriff der "Betriebsstätte", also ein Ort in dem zum Beispiel Aushänge aufgehängt werden können, ein wichtige Rolle.
 
 
 
Foodora hatte zwar etwa 60 Mitarbeiter*innen in Münster, die Arbeitszuteilung fand und findet aber über Apps statt, der Betrieb ist rein digital über Smartphones organisiert.<ref>Frank Biermann, Der Kampf um die Mitbestimmung bei Foodora wird vertagt[https://www.sperre-online.de/der-kampf-um-die-mitbestimmung-bei-foodora-wird-vertagt-arbeitsgericht-muenster-will-vergleichsvorschlag-machen/]Sperre Online, 7.5. 2019</ref>
 
<ref>arbeitsunrecht.de, Sieg im Liefer-Krieg? Lieferando schluckt Foodora[https://arbeitsunrecht.de/lieferando-schluckt-foodora/]28.1. 2019</ref>
 
<ref>arbeitsunrecht.de,Foodora: Betriebsratsgründung in Münster verhindert[https://arbeitsunrecht.de/frontberichte-06-2019/#anker06]Juni 2019</ref>
 
 
 
== Juristische Begleitung des Union Busting ==
 
Das Mandat für die Behinderung der Betriebsratsarbeit hat für Lieferando die [[Kanzlei Kliemt]] (Rechtsanwalt Jan Heuer, Düsseldorf) inne. Doch trotz vehementer juristischer Anfechtungen durch die Kanzlei '''Kliemt'''  konnte Lieferando die Wahl eines aktiven Betriebsrats in Köln nicht verhindern. Dort bemühte Kliemt vor allem den Betriebsbegriff und argumentierte, die übernommenen 22 Ex-Foodora-Fahrer stellten innerhalb der Firma nach der Übernahme einen eigenen Betrieb dar.
 
 
 
In Frankfurt zog die Kanzlei Kliemt einen Antrag auf Wahlanfecht im März 2021 zurück. 
 
 
 
==Arbeitsbedingungen==
 
===Befristungen===
 
Die meisten Fahrer werden über befristete Einjahresverträge eingestellt. Das Unternehmen nutzt die Befristung laut Mitarbeitern und Betriebsräten, um die Beschäftigten unter Druck zu setzen und das Engagement in Arbeitnehmervertretungen zu verhindern. <ref>Frankfurter Rundschau 07.06.2021 Bessere Bedingungen für Beschäftigte bei Lieferando und Co., abgerufen 03.07.2021 https://www.fr.de/politik/bessere-bedingungen-fuer-beschaeftigte-bei-lieferando-und-co-90792417.html</ref> Befristungen erschweren zudem die Lebensplanung, Wohnungssuche, Planung von Anschaffungen und halten die Beschäftigten in einem permanenten Zustand der Anspannung und Erpressbarkeit. 
 
 
 
Ein Betriebsratsmitglied berichtet zudem, dass die meisten der Beschäftigten Personen mit beschränkter Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis seien, die mit dem Auslaufen ihres Vertrags Schwierigkeiten bei der Ausländerbehörde fürchten. <ref>Patricia Andreae, Die große Unsicherheit der Lieferdienst-Fahrer[https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/lieferdienst-fahrer-in-frankfurt-demonstrieren-fuer-ihre-rechte-17387726.html]FAZ, 14.6. 2021</ref>
 
===Bezahlung===
 
Nach Angaben des Unternehmens sind alle Fahrerinnen und Fahrer sozialversicherungspflichtig angestellt und verdienen mindestens 10,50 Euro pro Stunde. Zu diesem Stundenlohn kämen Bonuszahlungen. Gewerkschaften kritisieren jedoch, dass viele von ihnen nur befristete Einjahresverträge erhielten oder '''Minijobber''' seien.  
 
 
 
Bonus-Zahlungen sollen dazu motivieren, mehr Fahrten auszuliefern. Die Boni sind daher gestaffelt: 25 Cent pro Stunde gibt es mehr ab der 26. Lieferung, ab der 100. Lieferung gibt es einen Euro und ab der 200. Lieferung gibt es zwei Euro pro Stunde mehr.
 
 
 
Doch die meisten Fahrerinnen und Fahrer arbeiten als Minijobber und kommen nie auf so viele Fahrten. Denn am Monatsende werden sie wieder auf 0 gesetzt.<ref>BR:Lieferando-Boom: Mitarbeiter-Schutz in der Kritik [https://www.br.de/nachrichten/bayern/lieferando-boom-mitarbeiter-schutz-in-der-kritik,SMdcHYk]21.01.2021</ref>
 
 
 
===Nutzung eigener Fahrräder und Smartphones===
 
Fahrer brauchen für die Arbeit bei Lieferando ein eigenes Smartphone und müssen selbst für den Datenverbrauch aufkommen. Zum Teil werden auch private Fahrräder benutzt. Lieferando bezuschusst nötige Reparaturen mit zehn Cent pro gefahrenem Kilometer.
 
 
 
Dies endet aber bei 44 Euro im Monat. Das reicht laut Betriebsratsmitglied Chayan Díaz Fuentes bei weitem nicht, um die Kosten zu decken. „Du bist bei Lieferando ein Verbrauchsgegenstand, genauso wie die Arbeitsmittel“, formuliert es Díaz Fuentes.
 
 
 
Und: Grundlage des Geschäfts sei „das Ausnutzen fremder Fahrräder“. Das Unternehmen müsse Arbeitsmittel kostenfrei zur Verfügung stellen und die Räder auch warten, ohne dass es die Arbeitnehmer:innen etwas koste, fordert der Betriebsrat.<ref>Thomas Cabanis,Kritik vom Betriebsrat: „Für Lieferando bist du ein Verbrauchsgegenstand“[https://www.fr.de/rhein-main/fuer-lieferando-bist-du-ein-verbrauchsgegenstand-90260306.html]FR 24.3.2021</ref>
 
 
 
===Gefährdung durch unsichere Fahrräder, Hygienemängel ===
 
„Während das Geschäft wegen Corona explodiert, hält Lieferando die einfachsten Arbeitsrichtlinien nicht ein“, sagt Betriebsrat Chayan Díaz Fuentes. Das sei Ergebnis einer Betriebsbegehung im Dezember 2020 gewesen, bei der das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt die Frankfurter Lieferando-Zentrale, auch „Hub“ genannt, besuchte. Kein Fahrrad war auf Sicherheitsmängel überprüft, eine für Betriebe verpflichtende Gefährdungsbeurteilung gab es nicht. Die Toiletten waren nicht funktionsfähig, und die Küche von Kakerlaken befallen. <ref>Thomas Cabanis,Kritik vom Betriebsrat: „Für Lieferando bist du ein Verbrauchsgegenstand“[https://www.fr.de/rhein-main/fuer-lieferando-bist-du-ein-verbrauchsgegenstand-90260306.html]FR 24.3.2021</ref>
 
 
 
===Gefährdung während der Corona-Krise===
 
Lieferando brauchte lange um auf die Infektionsgefahr zu reagieren und Kunden und Fahrer zu schützen. Fahrer erfuhren von angeblich durch Lieferando bereitgestellter Hygieneausrüstung erst aus den Medien. In den Hubs (Treffpunkten) standen teil nur Seife und antibakterielle Desinfektionsmittel, die bei Viren wirkungslos sind zur Verfügung.<ref>Denise Snieguolė Wachter, Stern, 17.03.2020 Streit bei Lieferando: Schützt das Unternehmen seine Fahrer genug vor Coronaviren?, abgerufen 03.07.2021 https://www.stern.de/genuss/essen/lieferando--betriebsrat-beschwert-sich---fahrer-sollen-keine-hygieneausruestung-erhalten-haben-9183772.html</ref> <ref>Jan Petterr, Der Spiegel 05.04.2020 Lieferando-Fahrer: "Wir gehen in den Park, wenn wir aufs Klo müssen", abgerufen 03.07.2021  https://www.spiegel.de/panorama/coronavirus-bei-lieferando-wir-gehen-in-den-park-wenn-wir-aufs-klo-muessen-a-ff05f574-0ffa-4768-922e-3b0fdbf27a12</ref> Auf Nachfragen bei Vorgesetzten kamen Antworten wie: "Ich bin da der falsche Ansprechpartner. Was ich jetzt wissen möchte ist: Fährst du jetzt Aufträge unter den jetzigen Bedingungen (…)?“
 
 
 
Hinzu kommt, dass viele Fahrer mangels ausreichender Ausrüstung die Rucksäcke und durchgeschwitzten Regenjacken untereinander teilen.<ref>{{Cite web|Author=Hannah Schwär 17 Mrz 2020|Datum=2020-03-17|title="Absolute Katastrophe": Interne Dokumente offenbaren, wie Lieferando seine Kuriere in der Coronakrise gefährdet|websiteTitle=Business Insider|url=https://www.businessinsider.de/wirtschaft/startups/absolute-katastrophe-interne-dokumente-offenbaren-wie-lieferando-seine-kuriere-in-der-coronakrise-gefaehrdet/|Zugriffsdatum=2021-07-08}}</ref>
 
 
 
===Überwachung ===
 
Einem Reporterteam der ARD zugespielte Dokumente belegen, wie viele Daten die Lieferando-App tatsächlich erhebt: sekundengenaue Angaben über Eingang der Bestellung, Abholung der Speisen bis hin zur Übergabe beim Kunden.
 
 
 
Darüber hinaus Berechnungen, inwiefern die Rider (Fahrrad-Lieferboten) vorgegebene Zeiten einhalten. All das wird personalisiert und teilweise über Jahre gespeichert.<ref>tagesschau, Kritik von Mitarbeitern [https://www.tagesschau.de/wirtschaft/lieferando-arbeitsbedingungen-101.html]11.11.2020</ref>
 
 
 
== Geschäftsgebahren + Konkurrenzkampf ==
 
  
==== Monopol durch Aufkäufe verteidigen + ausbauen====
+
==Union Buster==
Just Eat Takeaway kauft seit Jahren systematisch Lieferdienste der Konkurrenz auf und gliedert diese in Lieferando ein. Dazu gehören etwa die Lieferdienste Food Express, Lieferheld, Pizza.de und foodora.<ref>Alexander Hüsing: [https://www.deutsche-startups.de/2016/01/18/lieferando-food-express/ Lieferando.de übernimmt Food Express] deutsche-startups.de, 18.01.2016</ref><ref>[https://www.deutsche-startups.de/2019/02/06/pizza-de-milliarden-deal/ Der Pizza.de-Exit ist jetzt ein Milliarden-Deal] deutsche-startups.de, 06.02.2019</ref>
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Flink lässt sich vor Gericht durch die Kanzlei [[Pusch Wahlig]] Workplace Law vertreten.
  
Im Mai 2021 kündigte Lieferando an zukünftig nicht nur fertige Gerichte, sondern auch Lebensmittel und andere Supermarktartikel liefern zu wollen. Damit greift Just Eat Takaway den Supermarkt-Lieferdienst [[Gorillas]] und ähnliche [[GoPuff]]-[[Copycats]] wie [[Getir]] an.<ref>Timo Brücken: [https://www.businessinsider.de/gruenderszene/food/lieferando-bringt-bald-lebensmittel-aus-dem-supermarkt/ Auch Lieferando bringt bald Lebensmittel aus dem Supermarkt] Business Insider, 12.05.2021</ref>
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===Betriebsratsbehinderung in Berlin===
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Anfang September 2022 hatten Beschäftigte von Flink einen Wahlvorstand gewählt. Bei der Versammlung kam es zu Tumulten. An der Tür wurden nicht alle
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Beschäftigten eingelassen. Das Organisationsteam warf ihnen vor, leitende Positionen im Unternehmen zu bekleiden. Führungskräfte sind laut Gesetz nicht wahlberechtigt.
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Doch die Ausgeschlossenen sagten, sie seien lediglich Schichtleiter:innen ohne Personalverantwortung. Die Anwaltskanzlei Pusch Wahlig reichte im Namen der Geschäftsführung beim Arbeitsgericht eine Klage ein und wollte den Abbruch der gesamten Wahl erreichen. Das begründete sie mit dem Chaos bei der Versammlung.  
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Robert Snyder – einer der Beschäftigten, die die Betriebsratswahl initiiert hatten – verlas zu Beginn ein Statement. Snyder warf der Geschäftsführung vor, Notlagen von Beschäftigten auszunutzen. Die Belegschaft bestehe vor allem aus Migrant:innen, die sich nicht gut mit dem deutschen Arbeitsrecht auskannten, sagte der gebürtige US-Amerikaner. Der Arbeitsalltag sei von Willkür der Vorgesetzten gegenüber ihren Untergebenen geprägt. Die Bezahlung komme oft unvollständig auf den Konten an. Die Beschäftigten lebten zudem in ständiger Unsicherheit vor einer plötzlichen Kündigung. Im Unternehmen herrsche eine „Kultur der Angst“.
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Deshalb sei die Wahl des Wahlvorstand Anfang September ein „historischer Tag“ für die Beschäftigten des Lieferdienstes gewesen, sagte Snyder. Das Ziel der Einladenden sei es lediglich gewesen, „die Standards des deutschen Arbeitsrechts bei Flink umzusetzen“. Doch die Geschäftsführung habe die Ergebnisse der Wahl nicht akzeptiert und versuche nun, die Mitbestimmung im Unternehmen zu verhindern.  
  
====Die Konkurrenz schläft nicht====
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===Ops-Committees als Pseudo-Vertretung und "faschistoides Spitzelsystem" ===
Ab 2021 greift der finnische Lieferdienst [[Wolt]] das Lieferando-Monopol an. Laut Fortune hat Wolt besondere Kompetenzen in der Eroberung von kleineren Städten und weniger beachteten Regionen erworben, während sich Lieferando und Konsorten auf Metropolen und Studenten- und Szene-Stadtteile konzentrierten. Wolt will neben Essen auch Supermarkt-Waren ausliefern.<ref>Jeremy Kahn: [https://fortune.com/2021/01/26/mark-zuckerberg-vc-wolt-food-delivery-startup/ Why a venture fund backed by Mark Zuckerberg just invested millions in a Finnish food delivery startup], Fortune, 26.1.2021.</ref>  
+
Martin Bechert, der Anwalt der Beschäftigten, warf seinem Gegenüber Pusch vor, gezielt Lügen und Verschwörungstheorien zu verbreiten, um die Beschäftigten zu diskreditieren und alle, die sie unterstützten. Ziel des Managements sei es, die Belegschaft einzuschüchtern. Flink wolle keinen Betriebsrat zulassen, sagte Bechert, sondern die umstrittene firmeninterne Struktur der „Ops Committees“ erhalten.
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Die Mitglieder der Oops Committees werden vom Unternehmen ernannt. Gegenüber Beschäftigten werden die Ops Committees als "alternative Mitarbeitervertretung" und Ansprechpartner bei Problemen mit der Firma dargestellt. Sie sind aber im Gegensatz zu diesen nicht im Arbeitsrecht verankert. „Ein Ops Comittee hat keine Rechte und keinen Kündigungsschutz“, kritisierte Bechert.
 +
Seine Mitglieder würden nicht gewählt, sondern von der Geschäftsführung ernannt. Daher sei es tendenziell arbeitgeberfreundlich. Es handle sich nicht um eine Beschäftigtenvertretung, sondern um eine perfide Einrichtung, deren eigentlicher Zweck es sei, die Belegschaft auszuhorchen und gefügig zu machen. Ihm sei bekannt, dass bereits Beschäftigte eine Kündigung erhalten hätten, nachdem sie sich gegenüber dem Ops Committee als Befürworter:innen eines Betriebsrates zu erkennen gegeben hätten, so Martin Bechert.<ref>[https://arbeitsunrecht.de/wp-content/uploads/2022/11/20221115_tagesspiegel-Seite-12_flink-betriebsrat-berlin-kein-weiterkommen.pdf ''Kein Weiterkommen'']''Tagesspiegel''. 15. 11. 2022</ref> Bechter bezeichnete die Ops Committees daher auch als "faschistoides Spitzelsystem". Flink versuchte diese Aussage gerichtlich zu verbieten - jedoch ohne Erfolg. Das Gericht sah dies als eine zulässige Meinungsäußerung, die Bechert ausführlich und mit genügend Einbettungsmaterial darlegen könne.<ref>{{Cite web|Author=Christian Lelek|title=Scheinbetriebsräte: Lieferdienst Flink knickt ein|websiteTitle=nd-aktuell.de|url=https://www.nd-aktuell.de/artikel/1185155.meinungsfreiheit-scheinbetriebsraete-lieferdienst-flink-knickt-ein.html|Zugriffsdatum=2024-10-24}}</ref>
  
===Monopolmacht gegenüber Restaurants===
+
===Kündigungsschutzklagen der Flink-Betriebsratsinitiatoren===
 +
Am 17. Januar 2023 fand eine Güte-Verhandlung zu den Kündigungsschutzklagen der Flink-Betriebsratsinitiatoren Viktor B. und Elmar Wigand statt. Beide Fälle wurden nicht abgeschlossen. Elmar ist Pressesprecher des Vereins Aktion gegen Arbeitsunrecht und hatte von Dezember 2021 bis Mai 2022 mehrere Monate als Rider für Flink gearbeitet. Mit Viktor und weiteren  Fahrer*innen hat er eine Betriebsratswahl für den Flink-Standort in Berlin angestoßen. Flink kündigte beiden.
 +
Flink ließ sich durch Sarah Erne, Mitarbeiterin der Flink-Rechtsabteilung, vertreten. Die Betriebsratsgründer vertrat der Berliner Rechtsanwalt Martin Bechert.
 +
Obwohl Flink operativ ein straffes und hierarchisches Unternehmen ist, das aus der Berliner Zentrale geleitet wird, firmiert es rechtlich über eine Flink SE in Luxemburg und diverse „Flink Expansion GmbHs“. Die Behauptung scheinselbständiger Unternehmen dient nach unserer Auffassung zur Erschwerung der Organisierbarkeit. Bei Licht betrachtet handelt es sich um Täuschungsmanöver, um deutsche Gesetze mit Hütchenspielertricks auszuhebeln.
 +
Solche Konstrukte bringen arbeitsrechtlich erhebliche Nachteile: Beispielsweise müssen sich Beschäftigte ein und derselben Firma bei Betriebsschließungen komplett neu bei anderen GmbHs der selben Firma bewerben, anstatt durch die Regelungen eines Betriebsübergangs geschützt zu sein. Zu guter Letzt könnten solche Konstrukte auch der Verschleierung von Gewinnen und der Schaffung von Versorgungsposten dienen. Denn jede GmbH braucht schließlich eine Geschäftsführung plus eigener Verwaltung. Theoretisch. In Berlin ist an der Brunnenstr. 19-21 praktischerweise Martin Esch Geschäftsführer aller vier GmbHs. Martin Esch tritt auch als Geschäftsführer der Flink SE auf.<ref>[https://arbeitsunrecht.de/warum-laesst-flink-nicht-einfach-einen-betriebsrat-waehlen/ Jessica Reisner ''Warum lässt Flink nicht einfach einen Betriebsrat wählen?'']''arbeitsunrecht.de''. 26. 1. 2023</ref>
  
==== Fake-Restaurants machen den eigenen Kunden Konkurrenz====
+
In der Verhandlung am 14. März 2023 der 34. Kammer des Arbeitsgerichts Berlin unter dem Vorsitzenden Richter Claus-Peter Morof gab es einen Teilerfolg: Drei Kündigungsversuche von Flink gegenüber Elmar Wigand (außer Rider bei Flink auch Pressesprechers der aktion ./. arbeitsunrecht) wies das Gericht zurück.
Ein Monopol begünstigt kriminell oder halb-legal anmutende Methoden: Just Eat Takeaway nutzt seine Marktmacht aus, indem es Schattenwebseiten erstellt, die den Webseiten der Restaurants, die Just Eat Takeaway-Vertragspartner sind, zum Verwechseln ähnlich sehen. Der Kunde weiß hierbei nicht, ob er über Lieferando oder direkt beim Restaurant bestellt. Von diesen Seiten soll es allein in Deutschland ca. 50.000 geben.  
+
Allerdings hob das Gericht das  Arbeitsverhältnis wegen dessen publizistischer Tätigkeiten auf. Damit ist die Union Busting-Strategie von Flink ist in erster Instanz leider aufgegangen. Nach einer aktiven und mutwilligen Vergiftung der Arbeitsbeziehungen durch das Management und dessen Dienstleistern ist laut Arbeitsgericht „keine gedeihliche Zusammenarbeit“ mehr möglich.<ref>[https://arbeitsunrecht.de/union-busting-bei-flink-3-kuendigungen-unwirksam-job-trotzdem-futsch/ Jessica Reisner ''Union Busting bei Flink: 3 Kündigungen unwirksam, Job trotzdem futsch?'']''arbeitsunrecht.de''. 26. 1. 2023</ref>
  
Auch wenn ein Restaurant selber ausliefert, beträgt die Provision für Lieferando / Just Eat immer 13 %. Dabei zwingt Lieferando die Restaurants, immer die selben Preise zu verlangen, egal ob über den Lieferdienst oder im Restaurant selber bestellt wird.<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Just_Eat_Takeaway Just Eayt Takaway - wikipedia.de]</ref><ref>Bayerischer Rundfunk 25.02.2021 Lieferandos Geschäft mit Schattenwebseiten abgerufen 04.07.2021 https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/lieferandos-geschaeft-mit-schattenwebseiten,SPx7MeL</ref>
+
===juristischer Dauerbeschuss===
 +
Flink investiert massiv in die Unterdrückung kritischer Berichterstattung. Die Kanzlei [[Schertz Bergmann]] attackiert inzwischen ebenso die Berichterstattung der Aktion gegen Arbeitsunrecht, wie die Kanzlei [[Irle Moser]], die im Auftrag des Union Buster Tobias Pusch gegen Elmar Wigand, die Radio-Sendung arbeitsunrecht FM und die Webseite www.arbeitsunrecht.de, vorgeht. Ein typisches Beispiel für SLAPP —„Strategic lawsuit against public participation“ - strategische Prozessführung gegen unliebsame Öffentlichkeit. Die Methode, kritische Berichterstattung zu unterbinden, ähnelt strukturell der Betriebsratsbehinderung. SLAPP zielt darauf, Kritiker*innen zu stressen, einzuschüchtern und bestenfalls finanziell zu ruinieren. <ref>[https://arbeitsunrecht.de/der-kampf-gegen-union-busting-und-juristische-einschuechterung/ ''Der Kampf gegen Union Busting und juristische Einschüchterung'']''arbeitsunrecht.de''. 31. 5. 2023</ref>
  
Gleichzeitig schließt Lieferando Restaurants mitunter willkürlich von Lieferungen aus, indem der Lieferradius spontan verkleinert wird. Restaurants erfahren davon mitunter erst über die ausbleibenden Bestellungen.<ref>WDR 5 Neugier genügt - das Feature  Lieferando ausgeliefert 23.04.2021, abgerufen 03.07.2021 <nowiki>https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/neugier-genuegt/feature-lieferando-100.html</nowiki></ref>
 
  
 
==Nachweise / Quellen==
 
==Nachweise / Quellen==

Aktuelle Version vom 24. Oktober 2024, 18:05 Uhr

Flink SE

Logo

Rechtsform Europäische Gesellschaft
Gründung 2020
Sitz Berlin
Leitung Christoph Cordes (Vorstand)
Mitarbeiterzahl 12.000 (2021)
Umsatz ca. 500 Mio. Euro (2021)
Branche Onlinedienste, Lieferdienst

Flink SE ist ein deutscher Lieferdienst, der Artikel des täglichen Gebrauchs direkt an Verbraucher liefert. Das Unternehmen ist der größte Drittanbieter-Lieferservice in Europa. Flink beliefert nach eigenen Angaben an über 140 Standorten in mehr als 60 Städten Europas bis zu 10 Millionen Kunden.[1]

Investoren / Besitzer

Zu den Hauptaktionären der Flink SE zählen Frankreichs Einzelhandelsriese Carrefour, die Rewe-Gruppe und der US-Essenslieferdienst Doordash.[2]

Union Buster

Flink lässt sich vor Gericht durch die Kanzlei Pusch Wahlig Workplace Law vertreten.

Betriebsratsbehinderung in Berlin

Anfang September 2022 hatten Beschäftigte von Flink einen Wahlvorstand gewählt. Bei der Versammlung kam es zu Tumulten. An der Tür wurden nicht alle Beschäftigten eingelassen. Das Organisationsteam warf ihnen vor, leitende Positionen im Unternehmen zu bekleiden. Führungskräfte sind laut Gesetz nicht wahlberechtigt. Doch die Ausgeschlossenen sagten, sie seien lediglich Schichtleiter:innen ohne Personalverantwortung. Die Anwaltskanzlei Pusch Wahlig reichte im Namen der Geschäftsführung beim Arbeitsgericht eine Klage ein und wollte den Abbruch der gesamten Wahl erreichen. Das begründete sie mit dem Chaos bei der Versammlung. Robert Snyder – einer der Beschäftigten, die die Betriebsratswahl initiiert hatten – verlas zu Beginn ein Statement. Snyder warf der Geschäftsführung vor, Notlagen von Beschäftigten auszunutzen. Die Belegschaft bestehe vor allem aus Migrant:innen, die sich nicht gut mit dem deutschen Arbeitsrecht auskannten, sagte der gebürtige US-Amerikaner. Der Arbeitsalltag sei von Willkür der Vorgesetzten gegenüber ihren Untergebenen geprägt. Die Bezahlung komme oft unvollständig auf den Konten an. Die Beschäftigten lebten zudem in ständiger Unsicherheit vor einer plötzlichen Kündigung. Im Unternehmen herrsche eine „Kultur der Angst“. Deshalb sei die Wahl des Wahlvorstand Anfang September ein „historischer Tag“ für die Beschäftigten des Lieferdienstes gewesen, sagte Snyder. Das Ziel der Einladenden sei es lediglich gewesen, „die Standards des deutschen Arbeitsrechts bei Flink umzusetzen“. Doch die Geschäftsführung habe die Ergebnisse der Wahl nicht akzeptiert und versuche nun, die Mitbestimmung im Unternehmen zu verhindern.

Ops-Committees als Pseudo-Vertretung und "faschistoides Spitzelsystem"

Martin Bechert, der Anwalt der Beschäftigten, warf seinem Gegenüber Pusch vor, gezielt Lügen und Verschwörungstheorien zu verbreiten, um die Beschäftigten zu diskreditieren und alle, die sie unterstützten. Ziel des Managements sei es, die Belegschaft einzuschüchtern. Flink wolle keinen Betriebsrat zulassen, sagte Bechert, sondern die umstrittene firmeninterne Struktur der „Ops Committees“ erhalten. Die Mitglieder der Oops Committees werden vom Unternehmen ernannt. Gegenüber Beschäftigten werden die Ops Committees als "alternative Mitarbeitervertretung" und Ansprechpartner bei Problemen mit der Firma dargestellt. Sie sind aber im Gegensatz zu diesen nicht im Arbeitsrecht verankert. „Ein Ops Comittee hat keine Rechte und keinen Kündigungsschutz“, kritisierte Bechert. Seine Mitglieder würden nicht gewählt, sondern von der Geschäftsführung ernannt. Daher sei es tendenziell arbeitgeberfreundlich. Es handle sich nicht um eine Beschäftigtenvertretung, sondern um eine perfide Einrichtung, deren eigentlicher Zweck es sei, die Belegschaft auszuhorchen und gefügig zu machen. Ihm sei bekannt, dass bereits Beschäftigte eine Kündigung erhalten hätten, nachdem sie sich gegenüber dem Ops Committee als Befürworter:innen eines Betriebsrates zu erkennen gegeben hätten, so Martin Bechert.[3] Bechter bezeichnete die Ops Committees daher auch als "faschistoides Spitzelsystem". Flink versuchte diese Aussage gerichtlich zu verbieten - jedoch ohne Erfolg. Das Gericht sah dies als eine zulässige Meinungsäußerung, die Bechert ausführlich und mit genügend Einbettungsmaterial darlegen könne.[4]

Kündigungsschutzklagen der Flink-Betriebsratsinitiatoren

Am 17. Januar 2023 fand eine Güte-Verhandlung zu den Kündigungsschutzklagen der Flink-Betriebsratsinitiatoren Viktor B. und Elmar Wigand statt. Beide Fälle wurden nicht abgeschlossen. Elmar ist Pressesprecher des Vereins Aktion gegen Arbeitsunrecht und hatte von Dezember 2021 bis Mai 2022 mehrere Monate als Rider für Flink gearbeitet. Mit Viktor und weiteren Fahrer*innen hat er eine Betriebsratswahl für den Flink-Standort in Berlin angestoßen. Flink kündigte beiden. Flink ließ sich durch Sarah Erne, Mitarbeiterin der Flink-Rechtsabteilung, vertreten. Die Betriebsratsgründer vertrat der Berliner Rechtsanwalt Martin Bechert. Obwohl Flink operativ ein straffes und hierarchisches Unternehmen ist, das aus der Berliner Zentrale geleitet wird, firmiert es rechtlich über eine Flink SE in Luxemburg und diverse „Flink Expansion GmbHs“. Die Behauptung scheinselbständiger Unternehmen dient nach unserer Auffassung zur Erschwerung der Organisierbarkeit. Bei Licht betrachtet handelt es sich um Täuschungsmanöver, um deutsche Gesetze mit Hütchenspielertricks auszuhebeln. Solche Konstrukte bringen arbeitsrechtlich erhebliche Nachteile: Beispielsweise müssen sich Beschäftigte ein und derselben Firma bei Betriebsschließungen komplett neu bei anderen GmbHs der selben Firma bewerben, anstatt durch die Regelungen eines Betriebsübergangs geschützt zu sein. Zu guter Letzt könnten solche Konstrukte auch der Verschleierung von Gewinnen und der Schaffung von Versorgungsposten dienen. Denn jede GmbH braucht schließlich eine Geschäftsführung plus eigener Verwaltung. Theoretisch. In Berlin ist an der Brunnenstr. 19-21 praktischerweise Martin Esch Geschäftsführer aller vier GmbHs. Martin Esch tritt auch als Geschäftsführer der Flink SE auf.[5]

In der Verhandlung am 14. März 2023 der 34. Kammer des Arbeitsgerichts Berlin unter dem Vorsitzenden Richter Claus-Peter Morof gab es einen Teilerfolg: Drei Kündigungsversuche von Flink gegenüber Elmar Wigand (außer Rider bei Flink auch Pressesprechers der aktion ./. arbeitsunrecht) wies das Gericht zurück. Allerdings hob das Gericht das Arbeitsverhältnis wegen dessen publizistischer Tätigkeiten auf. Damit ist die Union Busting-Strategie von Flink ist in erster Instanz leider aufgegangen. Nach einer aktiven und mutwilligen Vergiftung der Arbeitsbeziehungen durch das Management und dessen Dienstleistern ist laut Arbeitsgericht „keine gedeihliche Zusammenarbeit“ mehr möglich.[6]

juristischer Dauerbeschuss

Flink investiert massiv in die Unterdrückung kritischer Berichterstattung. Die Kanzlei Schertz Bergmann attackiert inzwischen ebenso die Berichterstattung der Aktion gegen Arbeitsunrecht, wie die Kanzlei Irle Moser, die im Auftrag des Union Buster Tobias Pusch gegen Elmar Wigand, die Radio-Sendung arbeitsunrecht FM und die Webseite www.arbeitsunrecht.de, vorgeht. Ein typisches Beispiel für SLAPP —„Strategic lawsuit against public participation“ - strategische Prozessführung gegen unliebsame Öffentlichkeit. Die Methode, kritische Berichterstattung zu unterbinden, ähnelt strukturell der Betriebsratsbehinderung. SLAPP zielt darauf, Kritiker*innen zu stressen, einzuschüchtern und bestenfalls finanziell zu ruinieren. [7]


Nachweise / Quellen