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Netto Marken-Discount: Unterschied zwischen den Versionen
JR1905 (Diskussion | Beiträge) (Filial-Schließungen in Göttingen und Beeinflussung BR-Wahl in Ponholz ergänzt) |
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Im Juni 2021 setzte Netto das Union Busting gegen das Betriebsratsmitglied Angela W. mit zwei konstruierten Abmahnungen fort. | Im Juni 2021 setzte Netto das Union Busting gegen das Betriebsratsmitglied Angela W. mit zwei konstruierten Abmahnungen fort. | ||
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Die Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht Paderborn zu den beiden Abmahnungen am 10. November 2021 endete ohne eine Einigung (Aktenzeichen 2 Ca 935/21). | Die Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht Paderborn zu den beiden Abmahnungen am 10. November 2021 endete ohne eine Einigung (Aktenzeichen 2 Ca 935/21). | ||
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=== Filialschließungen 2012 in Göttingen === | === Filialschließungen 2012 in Göttingen === |
Aktuelle Version vom 6. Dezember 2021, 16:57 Uhr
Netto Marken-Discount Stiftung & Co. KG
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Rechtsform | Stiftung & Co. KG |
Gründung | 1928 |
Sitz | Maxhütte-Haidhof, Bayern, |
Leitung | Geschäftsführung:
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Mitarbeiterzahl | 75.000[2] |
Umsatz | 13,5 Mrd. Euro[3] |
Branche | Einzelhandel |
Website | www.netto-online.de
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Stand: 2019-12-31 |
Die Netto Marken-Discount Stiftung & Co. KG mit Hauptsitz im bayerischen Maxhütte-Haidhof ist ein Lebensmitteldiscounter und Tochterunternehmen der Edeka Zentrale Stiftung & Co. KG. Netto Marken-Discount betrieb am Jahresende 2019 4273 Filialen[4] und war damit der nach Filialen größte Discounter Deutschlands. Die Zahl der Beschäftigten lag Ende 2018 bei über 75.000.[5]
Union Busting
Konstruierte Abmahnungen gegen Betriebsratsmitglied Angela W. 2021
Im Juni 2021 setzte Netto das Union Busting gegen das Betriebsratsmitglied Angela W. mit zwei konstruierten Abmahnungen fort.
Netto warf der Kassiererin vor, sie hätte sich unzulässiger Weise Schutzmasken aus einem Regal genommen und den örtlichen Verkaufsleiter beleidigt. Dafür bekam sie am 16.05.2021 zwei Abmahnungen.
Der Anwalt von Angela W., Onur Ocak, sieht hinter den willkürlichen Abmahnungen eine klare Motivation die engagierte Kollegin loszuwerden: „Ein ehemaliger Mitarbeiter hat uns versichert, dass es in der Filiale eine Anweisung an die Mitarbeiter gab. Sie sollten meine Mandantin beobachten und schikanieren und Verstöße sofort weiterleiten.” Und weiter: „So kam auch der Vorwurf der angeblichen Beleidigung auf, für die es aber keine Beweise gibt.”[6]
Die Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht Paderborn zu den beiden Abmahnungen am 10. November 2021 endete ohne eine Einigung (Aktenzeichen 2 Ca 935/21).
Versuch der Bagatellkündigung gegen Angela W. 2015
2015 versuchte Netto die Kassiererin Angela W. in Paderborn durch eine fristlose Bagatellkündigung auf die Straße zu setzen.
Netto warf ihr vor, an der Kasse während der Arbeitszeit ein Bonbon gelutscht zu haben, welches ihr dann auf die Ware eines Kunden gefallen sei. Dies nahm Netto zum Anlass für eine fristlose Kündigung. Angela W. klagte jedoch vor dem Arbeitsgericht Paderborn auf Wiedereinstellung. Das Arbeitsgericht erklärte die Kündigung am 3. März 2016 für unwirksam (Aktenzeichen 2 Ca 1217/15)[7].
Damals vermutete Angela W., dass man sie loswerden wollte, weil sie aufdeckte, dass Netto Fehlstunden trotz Krankmeldung als Minusstunden verbucht hat. Kurz darauf wählten ihre Kolleg*innen sie zudem in den neuen Betriebsrat.
Filialschließungen 2012 in Göttingen
Im Juni 2012 schloss das Management ohne Vornwarnung gleich vier von sieben Filialen der Edeka-Tochter „Netto“ in Göttingen. Offenbar handelt es sich um eine konzertierte Vergeltungsmaßnahme des Edeka-Mangements. Ver.di wertete die Blitz-Schließungen als Antwort auf erfolgreiches Organizing bei dem Discounter. Die Göttinger ver.di-Sekretärin Katharina Wesenick spracg in der Jungen Welt vom 15. August 2012 von der „Zerschlagung von Widerstandsnestern“. In Göttingen waren besonders viele Gewerkschaftsmitglieder und Vertrauensleute aktiv.[8]
Beeinflussung einer Betriebsratswahl 2010 in Ponholz, Bayern
Im Januar 2011 berichtete die WAZ über massive Manipulationen der turnusgemäßen Betriebsratswahlen in zahlreichen Netto-Filialen im Mai 2010:
"Laut Vertretern der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di sei es bei den im Mai 2010 abgehaltenen Wahlen in den Netto-Betriebsratsregionen Ost und im bayrischen Ponholz mit insgesamt rund 20.000 Beschäftigten zu Manipulationsversuchen durch Führungskräfte gekommen […] Dabei seien einzelne Filialmitarbeiter unter Druck gesetzt worden, ihr „Kreuzchen an der richtigen Stelle zu machen“, und der Personalchef habe sich massiv in die Zuständigkeit der Wahlvorstände eingemischt“ [9]
Diese Wahlen wurden denn auch im Januar 2011 vom Arbeitsgericht Weiden für ungültig erklärt. Die Wirtschafts-Woche zitierte dazu aus dem Urteil: "wegen „schwerwiegender Verstöße gegen wesentliche Wahlvorschriften“ […] Wahlzettel seien in den „Machtbereich des Arbeitgebers“ gelangt, urteilte das Gericht." [10]
Quellen
- ↑ Impressum. Netto Marken-Discount, abgerufen am 23. August 2020.
- ↑ Unternehmensgeschichte – Vom regionalen Anbieter zum nationalen Lebensmittel-Discounter
- ↑ Edeka-Verbund, abgerufen am 23. August 2020.
- ↑ Netto Standorte
- ↑ Unternehmensgeschichte – Vom regionalen Anbieter zum nationalen Lebensmittel-Discounter
- ↑ „Netto“ wirft Kassiererin Masken-Klau vor Bild.de, 10.11.2021
- ↑ Urteil mit Begründung
- ↑ redaktion01: Netto: Filialen mit Vertrauensleuten überfallartig geschlossen, {{{websiteTitle}}}, 2012-08-17, https://arbeitsunrecht.de/netto-filialen-mit-betriebsrat-uberfallartig-geschlossen/
- ↑ DerWesten: Netto soll Betriebsratswahlen manipuliert haben, www.derwesten.de, 2011-01-15, https://www.derwesten.de/incoming/netto-soll-betriebsratswahlen-manipuliert-haben-id4168889.html
- ↑ Wirtschaftswoche: Discounter: Gericht erklärt Betriebsratswahlen bei Netto für unwirksam, www.wiwo.de, https://www.wiwo.de/unternehmen/discounter-gericht-erklaert-betriebsratswahlen-bei-netto-fuer-unwirksam/5232788.html , abgerufen 2021-12-06.