Flink SE

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Rechtsform SE
Gründung 2020
Sitz Berlin, Vorlage:Deutschland
Leitung Christoph Cordes (Vorstand)
Mitarbeiterzahl 12.000 (2021)
Umsatz ca. 500 Mio. Euro (2021)
Branche Onlinedienste, Lieferdienst

Flink SE ist ein deutscher On-Demand-Lieferservice, der Artikel des täglichen Gebrauchs direkt an Verbraucher liefert. Das Unternehmen ist der größte Drittanbieter-Lieferservice in Europa. Flink beliefert nach eigenen Angaben an über 140 Standorten in mehr als 60 Städten Europas bis zu 10 Millionen Kunden.[1]

#Freitag13

Investoren / Besitzer

Geschäftsmodell

Arbeitsbeziehungen + Union Busting

Juristische Begleitung des Union Busting

Das Mandat für die Behinderung der Betriebsratsarbeit hat für Lieferando die Kanzlei Kliemt (Rechtsanwalt Jan Heuer, Düsseldorf) inne. Doch trotz vehementer juristischer Anfechtungen durch die Kanzlei Kliemt konnte Lieferando die Wahl eines aktiven Betriebsrats in Köln nicht verhindern. Dort bemühte Kliemt vor allem den Betriebsbegriff und argumentierte, die übernommenen 22 Ex-Foodora-Fahrer stellten innerhalb der Firma nach der Übernahme einen eigenen Betrieb dar.

In Frankfurt zog die Kanzlei Kliemt einen Antrag auf Wahlanfecht im März 2021 zurück.

Arbeitsbedingungen

Befristungen

Die meisten Fahrer werden über befristete Einjahresverträge eingestellt. Das Unternehmen nutzt die Befristung laut Mitarbeitern und Betriebsräten, um die Beschäftigten unter Druck zu setzen und das Engagement in Arbeitnehmervertretungen zu verhindern. [2] Befristungen erschweren zudem die Lebensplanung, Wohnungssuche, Planung von Anschaffungen und halten die Beschäftigten in einem permanenten Zustand der Anspannung und Erpressbarkeit.

Ein Betriebsratsmitglied berichtet zudem, dass die meisten der Beschäftigten Personen mit beschränkter Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis seien, die mit dem Auslaufen ihres Vertrags Schwierigkeiten bei der Ausländerbehörde fürchten. [3]

Bezahlung

Nach Angaben des Unternehmens sind alle Fahrerinnen und Fahrer sozialversicherungspflichtig angestellt und verdienen mindestens 10,50 Euro pro Stunde. Zu diesem Stundenlohn kämen Bonuszahlungen. Gewerkschaften kritisieren jedoch, dass viele von ihnen nur befristete Einjahresverträge erhielten oder Minijobber seien.

Bonus-Zahlungen sollen dazu motivieren, mehr Fahrten auszuliefern. Die Boni sind daher gestaffelt: 25 Cent pro Stunde gibt es mehr ab der 26. Lieferung, ab der 100. Lieferung gibt es einen Euro und ab der 200. Lieferung gibt es zwei Euro pro Stunde mehr.

Doch die meisten Fahrerinnen und Fahrer arbeiten als Minijobber und kommen nie auf so viele Fahrten. Denn am Monatsende werden sie wieder auf 0 gesetzt.[4]

Nutzung eigener Fahrräder und Smartphones

Fahrer brauchen für die Arbeit bei Lieferando ein eigenes Smartphone und müssen selbst für den Datenverbrauch aufkommen. Zum Teil werden auch private Fahrräder benutzt. Lieferando bezuschusst nötige Reparaturen mit zehn Cent pro gefahrenem Kilometer.

Dies endet aber bei 44 Euro im Monat. Das reicht laut Betriebsratsmitglied Chayan Díaz Fuentes bei weitem nicht, um die Kosten zu decken. „Du bist bei Lieferando ein Verbrauchsgegenstand, genauso wie die Arbeitsmittel“, formuliert es Díaz Fuentes.

Und: Grundlage des Geschäfts sei „das Ausnutzen fremder Fahrräder“. Das Unternehmen müsse Arbeitsmittel kostenfrei zur Verfügung stellen und die Räder auch warten, ohne dass es die Arbeitnehmer:innen etwas koste, fordert der Betriebsrat.[5]

Gefährdung durch unsichere Fahrräder, Hygienemängel

„Während das Geschäft wegen Corona explodiert, hält Lieferando die einfachsten Arbeitsrichtlinien nicht ein“, sagt Betriebsrat Chayan Díaz Fuentes. Das sei Ergebnis einer Betriebsbegehung im Dezember 2020 gewesen, bei der das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt die Frankfurter Lieferando-Zentrale, auch „Hub“ genannt, besuchte. Kein Fahrrad war auf Sicherheitsmängel überprüft, eine für Betriebe verpflichtende Gefährdungsbeurteilung gab es nicht. Die Toiletten waren nicht funktionsfähig, und die Küche von Kakerlaken befallen. [6]

Gefährdung während der Corona-Krise

Lieferando brauchte lange um auf die Infektionsgefahr zu reagieren und Kunden und Fahrer zu schützen. Fahrer erfuhren von angeblich durch Lieferando bereitgestellter Hygieneausrüstung erst aus den Medien. In den Hubs (Treffpunkten) standen teil nur Seife und antibakterielle Desinfektionsmittel, die bei Viren wirkungslos sind zur Verfügung.[7] [8] Auf Nachfragen bei Vorgesetzten kamen Antworten wie: "Ich bin da der falsche Ansprechpartner. Was ich jetzt wissen möchte ist: Fährst du jetzt Aufträge unter den jetzigen Bedingungen (…)?“

Hinzu kommt, dass viele Fahrer mangels ausreichender Ausrüstung die Rucksäcke und durchgeschwitzten Regenjacken untereinander teilen.[9]

Überwachung

Einem Reporterteam der ARD zugespielte Dokumente belegen, wie viele Daten die Lieferando-App tatsächlich erhebt: sekundengenaue Angaben über Eingang der Bestellung, Abholung der Speisen bis hin zur Übergabe beim Kunden.

Darüber hinaus Berechnungen, inwiefern die Rider (Fahrrad-Lieferboten) vorgegebene Zeiten einhalten. All das wird personalisiert und teilweise über Jahre gespeichert.[10]

Geschäftsgebahren + Konkurrenzkampf

Monopol durch Aufkäufe verteidigen + ausbauen

Just Eat Takeaway kauft seit Jahren systematisch Lieferdienste der Konkurrenz auf und gliedert diese in Lieferando ein. Dazu gehören etwa die Lieferdienste Food Express, Lieferheld, Pizza.de und foodora.[11][12]

Im Mai 2021 kündigte Lieferando an zukünftig nicht nur fertige Gerichte, sondern auch Lebensmittel und andere Supermarktartikel liefern zu wollen. Damit greift Just Eat Takaway den Supermarkt-Lieferdienst Gorillas und ähnliche GoPuff-Copycats wie Getir an.[13]

Die Konkurrenz schläft nicht

Ab 2021 greift der finnische Lieferdienst Wolt das Lieferando-Monopol an. Laut Fortune hat Wolt besondere Kompetenzen in der Eroberung von kleineren Städten und weniger beachteten Regionen erworben, während sich Lieferando und Konsorten auf Metropolen und Studenten- und Szene-Stadtteile konzentrierten. Wolt will neben Essen auch Supermarkt-Waren ausliefern.[14]

Monopolmacht gegenüber Restaurants

Fake-Restaurants machen den eigenen Kunden Konkurrenz

Ein Monopol begünstigt kriminell oder halb-legal anmutende Methoden: Just Eat Takeaway nutzt seine Marktmacht aus, indem es Schattenwebseiten erstellt, die den Webseiten der Restaurants, die Just Eat Takeaway-Vertragspartner sind, zum Verwechseln ähnlich sehen. Der Kunde weiß hierbei nicht, ob er über Lieferando oder direkt beim Restaurant bestellt. Von diesen Seiten soll es allein in Deutschland ca. 50.000 geben.

Auch wenn ein Restaurant selber ausliefert, beträgt die Provision für Lieferando / Just Eat immer 13 %. Dabei zwingt Lieferando die Restaurants, immer die selben Preise zu verlangen, egal ob über den Lieferdienst oder im Restaurant selber bestellt wird.[15][16]

Gleichzeitig schließt Lieferando Restaurants mitunter willkürlich von Lieferungen aus, indem der Lieferradius spontan verkleinert wird. Restaurants erfahren davon mitunter erst über die ausbleibenden Bestellungen.[17]

Nachweise / Quellen

  1. Vorlage:Internetquelle
  2. Frankfurter Rundschau 07.06.2021 Bessere Bedingungen für Beschäftigte bei Lieferando und Co., abgerufen 03.07.2021 https://www.fr.de/politik/bessere-bedingungen-fuer-beschaeftigte-bei-lieferando-und-co-90792417.html
  3. Patricia Andreae, Die große Unsicherheit der Lieferdienst-Fahrer[1]FAZ, 14.6. 2021
  4. BR:Lieferando-Boom: Mitarbeiter-Schutz in der Kritik [2]21.01.2021
  5. Thomas Cabanis,Kritik vom Betriebsrat: „Für Lieferando bist du ein Verbrauchsgegenstand“[3]FR 24.3.2021
  6. Thomas Cabanis,Kritik vom Betriebsrat: „Für Lieferando bist du ein Verbrauchsgegenstand“[4]FR 24.3.2021
  7. Denise Snieguolė Wachter, Stern, 17.03.2020 Streit bei Lieferando: Schützt das Unternehmen seine Fahrer genug vor Coronaviren?, abgerufen 03.07.2021 https://www.stern.de/genuss/essen/lieferando--betriebsrat-beschwert-sich---fahrer-sollen-keine-hygieneausruestung-erhalten-haben-9183772.html
  8. Jan Petterr, Der Spiegel 05.04.2020 Lieferando-Fahrer: "Wir gehen in den Park, wenn wir aufs Klo müssen", abgerufen 03.07.2021 https://www.spiegel.de/panorama/coronavirus-bei-lieferando-wir-gehen-in-den-park-wenn-wir-aufs-klo-muessen-a-ff05f574-0ffa-4768-922e-3b0fdbf27a12
  9. Hannah Schwär 17 Mrz 2020: "Absolute Katastrophe": Interne Dokumente offenbaren, wie Lieferando seine Kuriere in der Coronakrise gefährdet, Business Insider, 2020-03-17, https://www.businessinsider.de/wirtschaft/startups/absolute-katastrophe-interne-dokumente-offenbaren-wie-lieferando-seine-kuriere-in-der-coronakrise-gefaehrdet/
  10. tagesschau, Kritik von Mitarbeitern [5]11.11.2020
  11. Alexander Hüsing: Lieferando.de übernimmt Food Express deutsche-startups.de, 18.01.2016
  12. Der Pizza.de-Exit ist jetzt ein Milliarden-Deal deutsche-startups.de, 06.02.2019
  13. Timo Brücken: Auch Lieferando bringt bald Lebensmittel aus dem Supermarkt Business Insider, 12.05.2021
  14. Jeremy Kahn: Why a venture fund backed by Mark Zuckerberg just invested millions in a Finnish food delivery startup, Fortune, 26.1.2021.
  15. Just Eayt Takaway - wikipedia.de
  16. Bayerischer Rundfunk 25.02.2021 Lieferandos Geschäft mit Schattenwebseiten abgerufen 04.07.2021 https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/lieferandos-geschaeft-mit-schattenwebseiten,SPx7MeL
  17. WDR 5 Neugier genügt - das Feature Lieferando ausgeliefert 23.04.2021, abgerufen 03.07.2021 https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/neugier-genuegt/feature-lieferando-100.html