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== Investoren / Besitzer ==
 
== Investoren / Besitzer ==
Lieferando gehört zum international tätigen Konzern '''Just Eat Takeaway''' um den Unternehmer [[Jitse Groen]] mit Sitz in Amsterdam und firmiert in Deutschland unter der '''yd. yourdelivery GmbH'''.
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Größte Anteilseigner von Just Eat Takeaway sind [[Morgan Stanley]] (17,15%), [[Delivery Hero]] SE (10,68%), [[UBS]] Group AG (9,60%), [[Gribhold]] B.V. (7,24%) & [[BlackRock]] (6,26%).<ref>[https://www.justeattakeaway.com/investors/shareholder-information/ Shareholder information] Abgerufen am 22.06.2021</ref>
      
==Geschäftsmodell==
 
==Geschäftsmodell==
Die orange gekleideten Fahrer sind das Aushängeschild von Lieferando im Stadtbild. Diese Festangestellten sind zwar von zentraler Bedeutung für das Markenimage und die Bekanntheit; sie stellen faktisch aber nur eine ca. 10% umfassende Minderheit aller Fahrer dar, die schätzungsweise in Deutschland fahren. Das dürften über 100.000 sein (Stand Juni 2020). 
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In der Hauptsache bietet Lieferando / Just Eat seine Online-Plattform als Vertriebsweg für Restaurants mit eigener Flotte an. Dieses Geschäft bringt den Profit, während der Unterhalt der eigenen Lieferando-Flotte vom Management als defizitär gesehen wird. Bei genauer Betrachtung ist die Flotte der festangestellten Lieferando-Fahrer Teil der Werbe- und Marketingstrategie. Allerdings kann kein Lieferdienst auf eine eigene Flotte mit sichtbarem Equipment verzichten, da er sonst -- ohne sichtbare Marke -- den Angriffen von Konkurrenten schutzlos ausgeliefert wäre. 
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Das Geschäftsmodell besteht also weniger im Ausliefern von Essen, als im reibungslosen, simultanen Abwickeln von Bestellungen, Lieferungen und Geldströmen. Die "wertvollen" Arbeiter sind also in den Bereichen Programmierung tätig.
      
==Arbeitsbeziehungen + Union Busting==
 
==Arbeitsbeziehungen + Union Busting==
Lieferando war bis zur Übernahme von Foodora im Winter 2018 in Deutschland betriebsratsfrei. Vom Unternehmensgründer Jitse Groen ist folgendes Zitat überliefert: ''"Betriebsräte gehören nicht zu unserer Firmenkultur."''<ref>Bericht des Lieferando-Riders und Gewerkschaftsorganizers Keno Böhme.</ref> Durch die Übernahme des einzigen und ersten Lieferdienstes, der in Deutschland und Österreich seit 2017 Betriebsräte hatte, bildeten und verbreiterten sich Betriebsräte langsam auch bei Lieferando.
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Die Union Busting-Strategie des Managements ist zwar abwehrend und widerwillig, aber keineswegs frontal ausgerichtet (Stand: Juni 2021), sondern auf maximale Verzögerung neuer Betriebsratsgründungen, Einbindung und Steuerung existierender Gremien orientiert.
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=== Zentrale Frage: Der Zuschnitt des Betriebs ===
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Eine Besonderheit bei Lieferando ist der Versuch, unorganische, dysfunktionale Gebilde zu installieren -- etwa einen gemeinsamen Betriebsrat für Darmstadt und Frankfurt  -- oder ganze Regionen zu Betriebsratszonen zusammenzufassen. Damit sollen offenbar Betriebsräte als potentielle Keimzellen unabhängiger Organisierung sabotiert werden. Solche abstrakten Großgebilde wie die geplanten Regionenbetriebsräte haben die Tendenz, dass sie nah am Managment sind, weit weg von den einfachen Beschäftigten und dadurch gut steuerbar. 
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===Betriebsratsbehinderung in Köln===
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In Köln fand am Montag, 5. April 2020 eine Betriebsratswahl bei Lieferando statt. Der ehemalige Foodora-GBR-Vorsitzende Semih Y. und seine Liste konnten die Wahl knapp gewinnen. Der Erfolg ist um so höher zu bewerten, als die siegreichen Kandidaten, die der Gewerkschaft Nahrung Gaststätten Genuss ([[NGG]]) nahestanden, unter extrem erschwerten Bedingungen kämpfen mussten:
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*Der Corona-Lockdown machte Betriebsversammlungen, Gewerkschaftstreffen und Wahlkampfveranstaltungen beinahe unmöglich.
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*Das Lieferando-Management hat zunächst die Herausgabe einer Wählerliste verweigert.
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*Das Management protegierte eine arbeitgebernahe Wahlliste mit dem Namen „Lieferando.de Register“.
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* Die Kanzlei [[Kliemt]] griff parallel auf juristischer Ebene an um die Wahlen zu verhindern und zu verzögern.
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<ref>Elmar Wigand, Umkämpfte Betriebsratswahl knapp gewonnen[https://arbeitsunrecht.de/lieferando-umkaempfte-betriebsratswahl-knapp-gewonnen/] arbeitsunrecht.de 9.4.2020</ref>
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<ref>Andreas Wyputta: [https://taz.de/Lieferando-torpediert-Betriebsratswahl/!5676689/ Ausgelieferte Mitarbeiter], taz, 17.4.2020.</ref>
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=== Betriebsrat in Münster===
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In Münster zog sich die Auseinandersetzung um eine Betriebsratswahl seit 2017 hin und war im Juni 2021 noch nicht erledigt. Neben der Übernahme von Foodora durch Lieferando spielt hier der Begriff der "Betriebsstätte", also ein Ort in dem zum Beispiel Aushänge aufgehängt werden können, ein wichtige Rolle.
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Foodora hatte zwar etwa 60 Mitarbeiter*innen in Münster, die Arbeitszuteilung fand und findet aber über Apps statt, der Betrieb ist rein digital über Smartphones organisiert.<ref>Frank Biermann, Der Kampf um die Mitbestimmung bei Foodora wird vertagt[https://www.sperre-online.de/der-kampf-um-die-mitbestimmung-bei-foodora-wird-vertagt-arbeitsgericht-muenster-will-vergleichsvorschlag-machen/]Sperre Online, 7.5. 2019</ref>
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<ref>arbeitsunrecht.de, Sieg im Liefer-Krieg? Lieferando schluckt Foodora[https://arbeitsunrecht.de/lieferando-schluckt-foodora/]28.1. 2019</ref>
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<ref>arbeitsunrecht.de,Foodora: Betriebsratsgründung in Münster verhindert[https://arbeitsunrecht.de/frontberichte-06-2019/#anker06]Juni 2019</ref>
      
== Juristische Begleitung des Union Busting ==
 
== Juristische Begleitung des Union Busting ==
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